Reviews
Zeitschrift Anno Domini Ausgabe 06/2000 - Rückblick auf das Reformationsfest Wittenberg
Zitat: "CRADEM AVENTURE" die nordischen Löwen mit Dudelsack- und Schalmeiengeschrei aus fast skandinavischen Landen. Musik Sagen und Gesänge der Brachialgotik, nordischer Reifentanz, Drachentöterschwertkampf & furiose Feuerakrobatik. das sind heidnische Tanzmusiken aus alten Zeiten. Sie beherrschen es fürtrefflich die Sackpfeifen zu malträtieren, das es einem nur so in den Ohren saust."
Zeitschrift "Pax et gaudium" Nr. 7 / 2002 - CRADEM AVENTURE CD: "Freiheit für alle"
Ob die Jungs eine Frau kennengelernt haben oder der Winter so furchtbar langweilig war - nur Gott allein weiß darauf die Antwort. Fakt ist, dass sie es geschafft haben: Sie haben eine CD produziert mit dem, was man auf den Märkten von ihnen kennt. Hier gibt es keine Extra-punkte für besonders zarten Minnesang oder stolzes und blumiges Gehabe. Wer Cradem kennt, der weiß, dass diese Männer niemals wirklich saubere Hemden tragen. Auf mich wirken sie immer wie vier einsame, ver-sprengte, mongolische Schamanen aus der Zeit der großen Völkerwanderung. Man verlässt sich hier noch auf das, was tatsächlich funktioniert: auf Trommeln, Säcke, Hörner, Becken, Rhythmus und Gefühl. Wer einen Überblick haben möchte über die Bandbreite dessen, was die Historyszene so hergibt, der kommt um die Scheibe ohnehin nicht herum; wer Schamanenblut in sich spürt, der braucht sie sowieso. Und den anderen sei gesagt: Es muss Papa und Mama nicht gefallen, man kann auch ruhig einmal etwas Verbotenes hören. Cradem ist die Konzentration auf das Wesentliche. Gut, dass es solche Musiker noch gibt.
Zeitschrift "Pax et gaudium" Nr. 10 / 2003
Cradem Aventure, fünf Musiker, die sich nicht als reine Mittelalterfreaks sehen, sondern sich in erster Linie dem Rhythmus verschrieben haben, ganz gleich, woher er kommt. Beeinflusst werden sie neben der Mittelaltermusik auch von Zigeunerrhythmen und indianischer Musik. Ihre Darbietung, brachial und martialisch, zu hören auf ihre CD "Freiheit für alle".
Zeitschrift "Karfunkel" Nr.58, Juni - Juli 2005 - CRADEM AVENTURE CD: "Alles gut"
Dudelsackmusik pur gefällig? Wer das sucht wird auf dem neuen Album des Sextetts Cradem Aventure garantiert fündig. Sackpfeifen und Percussion dominieren den schnörkellosen Stil der Formation, die sich selbst als die letzten Ostgoten bezeichnen und die mit „Alles gut“ ihre dritte Veröffentlichung vorlegt. Minnesang? Fehlanzeige! Cradem Aventure hat sich dem Rhythmus verschrieben, brachial und laut kommen die acht Stücke daher. Tanzen bis zum Umfallen beim Feuerschein; Hineinstürzen in den ekstatischen Reigen - Cradem Aventure macht Marktmusik für alle, die sich in der Musik verlieren wollen. Alles gut – das mag man denken, wenn man sich ihr ganz hingibt.
INTERVIEWS
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Interview für die Zeitschrift "Pax et gaudium" Nr. 25 / 2006
Pax et gaudium 25/2006
Cradem Aventure
Die Ostgoten kommen
Cradem Aventure - so nennt sich die sechsköpfige Band, die mit einem brachialen Bühnenprogramm und bislang drei CDs ihre Fans nicht nur in Deutschland betört. "Cradem", ein mittelhochdeutsches Wort, bedeutet Lärm, "Aventure" Abenteuer. P. Schlenter sprach mit Don Shadan de Marco über Ostgoten, Dunkeldeutschland und das (musikalische) Lebensgefühl.
Ihr bezeichnet euch ja selbst als Ostgoten. Wie ist denn das entstanden?
Ostgoten – also erst mal, weil wir aus Ostdeutschland kommen – das ist klar – und weil wir halt unseren eigenen Stil schon vor der Wende gefunden haben, zumindest angedacht. Der zweite Grund, und das ist ein wichtiger Grund, ist, dass wir nordische Musik machen und uns dafür hauptsächlich das ostgotische Bild herangezogen haben. Es ist ja bekannt, wo die Goten herkommen, und in der Völkerwanderung zogen die Ostgoten bis zur Donau herunter und haben ein bisschen mit den Hunnen „zusammengearbeitet“. Das ist auch unser Showbild, also die Kultur, die wir uns sozusagen als Vorbild genommen haben für die Show, für unsere Musik und unser Spiel. Es kommt ein bisschen Fantasy dazu. So ist der Name entstanden: Die letzten Ostgoten.
Was ich jetzt einfach mal musikalisch festgestellt habe, ist, dass ihr relativ „authentisch“ seid und nicht auf der Welle des „Mittelalter- Rock ´n` Roll“ schwimmt. Warum so spartanisch?
In den ersten fünf Jahren, seit denen wir in dieser Besetzung spielen, waren wir relativ traditionell. Seit den letzten zwei Jahren haben wir schon ein bisschen Fantasy mit drinnen. Also, ganz so mittelalterlich sind wir auch nicht, sondern schon ein bisschen frei. Und ich finde, es gehört auch dazu.Wir haben nicht den Plan, Mittelalter stur zu spielen, sondern eher nachzuempfinden und gleichzeitig aber auch unsere eigene Fantasie mitspielen zu lassen. Auf unserer nächsten CD, die im Januar rauskommen soll, werden deutsche Texte dabei sein, eigene Texte. Und dann gibt es eine CD zum Beispiel, die ist dunkeldeutsch. Und das ist alles andere als Mittelalter, sondern ein völliges Experiment gewesen. Also, wir spielen schon ein bisschen mit den musikalischen Elementen auch der Neuzeit. Aber die Rockwelle, und da gebe ich dir Recht, die machen wir nicht mit, ist nicht unser Ding.
Was heißt denn „dunkeldeutsch“?
Das ist auch ein interessanter Begriff.“Dunkeldeutsch“ haben damals die Wessis gesagt. Und gerade nach der Wende wurde von einigen Freunden auf westlichen Märkten, und das war eher positiv gemeint, gesagt: „Guck mal, da kommen die Dunkeldeutschen!“ Mit einem einladenden Lächeln. Und wir haben das dann kultiviert, speziell auf dieser einen CD „Dunkeldeutsch“ von 2001.
Ich meine, gerade mittelalterliche Musik hat ja in der DDR damals einen recht hohen Stellenwert gehabt im Gegensatz zu „Wessi-Land“. War das damals in eurer Jugend, also vor der Wende, relativ einfach, Spielgenehmigungen als Mittelalterband zu kriegen?
Ganz im Gegenteil eigendlich. Und das hatte auch nichts mit dem höheren Stellenwert als in Westdeutschland zu tun. Es hatte eine andere Ausgangsposition. In Ostdeutschland hatte Mittelaltermusik die Tendenz, so ein bisschen revolutionär zu sein. Eine Genehmigung fürs Spielen war überhaupt nicht leicht zu bekommen. Das war halt die Revolution: Wir haben gespielt, wir haben es einfach getan. Und wir waren jung und frisch und lustvoll. Es hat die Leute angesteckt, wir haben viel Straßenmusik gemacht. Und es wurde halbwegs toleriert.
Kommen wir doch mal auf die neue CD zurück, die ihr zurzeit produziert. Du hast gesagt, es wird moderneres Instrumentarium verwendet. Es werden deutsche Texte gesungen. Kannst du da schon einmal ein bisschen was verraten?
Verraten werde ich da noch gar nicht viel. Ich kann eins dazu sagen: Es wird auf jeden Fall einen Videoclip geben. Und die Texte sind insofern modern, dass es eben nicht nachgesungene mittelalterliche Texte sind.
Geht ihr eigentlich bürgerlichen Berufen nach oder lebt ihr mittlerweile von der Musik?
Wir haben die bürgerliche Lebensweise schon ziemlich früh abgelegt, nicht aus Ablehnung heraus, sondern aus der Lust rauszuwollen. Wir sind viel an der frischen Luft, haben Tiere und wenn ich nicht unterwegs bin zu Probe, Mucke oder Studio, dann bin ich auf jeden Fall zu Hause und mache was mit meinen Tieren, mit meiner Frau und meinen Kindern. Klar, natürlich hauptsächlich in der Winterzeit.
Na, dann bewegt ihr euch ja in richtiger Tradition. Die Ostgoten sind im Winter auch nicht ausgezogen.
Wir leben relativ – sagen wir – entspannt. Wir genießen die Freiheit auf unsere Art und Weise.
Ist das auch ein Vorbild für viele Leute in dem Sinne: Ich entscheunige mal mein stressiges Leben?
Also zumindest gehen viele positive Kritiken in die Richtung, dass wir eine entspannte Band sind, die Lust haben, alte Kultur neu zu beleben. Und es so ein bisschen über ihre Musik auch rüberbringen, weil sie es lebenstechnisch nachempfinden. Bei den CDs möchten wir ein paar Dinge anders machen, professioneller, in dem Sinne, dass wir auch anfangen, moderne Hilfsmitten zur Hand zu nehmen. Bühnenprogrammtechnisch hast du Recht, dass wir da auf jeden Fall unsere Lebensart musikalisch rüberbringen. Das sagen zumindest die Kritiken.
Was passiert bei einem Konzert von Cradem?
Es ist schwer, sich selbst zu beschreiben. Ich kann im Prinzip nur neutral sagen, wie unsere Show aufgebaut ist. Wir haben zwei Grundprinzipien: Wir machen Show auf der Bühne und wir machen das für die Leute, fürs Publikum. Wir haben auf der Bühne eine gewisse Verantwortung und das Publikum darf niemals beleidigt werden. Hinzu kommt, dass wir wollen, dass die Leute Spaß haben. Und als Viertes, sage ich mal, kommt die Kultur. In dem Fall vertreten wir auf der Bühne die heidnische Kultur, aber das darf nicht zu ernst genommen werden. Wir spielen nach ostgotischen oder, sagen wir, nordischen Stilen. Da ist ein größerer Begriff, der nicht so festgekrallt klingt. Wir wollen ja auch keine Religion oder Kultur im speziellen Sinne vertreten. Das nordische Kulturgut ist einfach die Basis, auf der wir uns bewegen.
Meine letzte Frage: wenn du Begriffe wie „nordisches Kulturgut“ benutzt, dann ist es ja eigentlich wertfrei. Habt ihr da schon mal Ärger mit der braunen Bewegung gehabt, die euch irgendwie hat „auffress“ wollen, weil ihr nordisches Kulturgut verbreitet?
Gar nicht, erstens, weil wir nicht so aussehen, dass man uns einverleiben könnte. Ich glaube, das entspricht nicht den Vorbildern für diese Bewegung. Und zweitens haben wir auch eine ganz klare Einstellung dazu: Wir sind für Freiheit und kulturellen Austausch und gegen Dummheit und Intoleranz! Es sind eher ganz einfache Leute, die sich für unsere Musik begeistern. Was wir machen, ist politisch wertfrei, und das kommt auch rüber.
Shadan, herzlichen Dank, dass ich dich so lange ausfragen durfte.
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Interview für die Zeitschrift "Karfunkel" Nr.97 / 2011
"Karfunkel" Nr.97 / 2011
Sie sind abenteuerlustig, lieben ihre Familien, die Natur und natürlich ihre klanggewaltige Musik. „Cradem Aventure“ verstehen sich selbst als die letzten Ostgoten und sind mit ihren brachialen Tönen seit 1990 auf den Märkten unterwegs. Karfunkel hat die sechs Musiker zu einem Interview getroffen.
K: Was war Eure erste musikalische Erfahrung?
CA: Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, da wir zu jener Zeit in einer völlig anderen Besetzung musiziert haben. Unsere Musik wurde von unserem jugendlichen Charakter geprägt. Die jetzige Formation, wir nennen es mal „die zweite Cradem-Generation“, wurde definitiv mit einem feierlichen Akt 1998 gegründet und in diesem Zuge auch der Weg der Ostgoten eingeschlagen. Beide Cradem-Formationen haben eines gemeinsam: Die jeweiligen Mitglieder stammen allseits aus musikalischen Familien bzw. haben eine musikalische Ausbildung genossen.
K: 1990 habt ihr Eure Band in Rostock gegründet. Wie kam es dazu?
CA: 1990 wurde die erste Formation in Rostock gegründet. Gründungsmitglieder waren Shadan von Berkano (Cradem), Dr. Pi (In Extremo), Abul (Varius), und Oswald (Dunnerdrummel). Es war eine jugendliche spontane Entscheidung unter Freunden. 1998 war die Gründung der jetzigen Formation, ebenfalls in Rostock. Das war eine bewusste musikalische Entscheidung unter Freunden.
K: „Cradem Aventure“ heißt übersetzt ja soviel wie „Lärm Abenteuer“. Was findet Ihr so klasse an Krach?
CA: „Cradem“ (mittelhochdeutsch) kann mit „Krach“, aber auch (in einigen norddeutschen Regionen) mit „Klang“ übersetzt werden. „Aventure“ (mittelhochdeutsch mit romanischem Einfluss) bedeutet „Abenteuer“. Ich denke, diese Mischung passt zu uns – damals wie heute.
K: Ihr nennt Euch „die letzten Ostgoten“. Was fasziniert euch an diesem Stamm?
CA: Faszinierend finden wir an den Ostgoten ihre nordische Kultur mit leichten östlichen Einflüssen, ihren Familienzusammenhalt, ihren Stolz, ihre Liebe zur Natur und ihre Abenteuerlust.
K: Wie würdet Ihr Eure Entwicklung in den letzten Jahren beschreiben?
CA: Ich denke, in den letzten Jahren haben wir zu unserer brachialen Ostgotenmusik auch eine sanfte und mystische musikalische Seite entwickelt, die wir immer mehr mit einfließen lassen. Unser musikalisch brachiales Konzertprogramm wird nun durch eine gefühlvolle Mystik ergänzt (mit dem Alter kommt die Weisheit).
K: Ihr habt jetzt vier Alben herausgebracht. Wie entsteht eine neue Scheibe bei Euch?
CA: Wir Arbeiten immer noch nach dem alten System. Wir treffen uns, erarbeiten musikalische Skizzen, proben alles durch, und dann gehen wir ins Studio. Allerdings spielen wir durchaus mit dem Gedanken, bei der Vorbereitung der nächsten Scheibe moderne Computertechnik in Anspruch zu nehmen. Im Umgang mit solchen Gerätschaften hängen wir leider etwas hinterher.
K: Welche musikalischen Erfahrungen habt Ihr in der DDR gemacht und was, glaubt Ihr, war der entscheidende Unterschied Eurem Weg ins musikalische Mittelalter und dem der Wessis?
CA: Grundsätzlich glaube ich, dass sich in den „neuen Bundesländern“ ein brachialer musikalischer Mittelalter-Sound entwickelt hat. Im Gegensatz zu den „alten Bundesländern“, wo eher eine sinnliche, künstlerisch verfeinerte mittelalterliche Musik zelebriert wurde.
K: Gibt es heute noch Unterschiede zwischen Ost und West, wenn Ihr auf den Märkten spielt?
CA: Unterschiede wird es immer geben. Nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Nord und Süd. Aber ich denke, auch das macht unsere Arbeit gerade interessant, spannend und vielseitig. Von dem sogenannten deutschen Ost-West-Konflikt halten wir gar nichts. Wir Musiker, Abenteurer, Freidenker.
K: Mit welcher Band würdet Ihr gerne mal zusammenspielen?
CA: Wir haben schon in ganz Europa mit den verschiedensten Musikgruppen auf einer Bühne gestanden. Unser Schwesterchen Zarina wünscht sich, einmal im Leben mit „Apocalyptica“ zusammen auf einer Bühne zu stehen. Vielleicht können wir ihr diesen Wunsch eines Tages erfüllen.
K: Eure Pläne für 2012?
CA: Für 2012 ist eine neue CD geplant, in der mystische Sagas in den Mittelpunkt gestellt werden. Spätestens im Herbst soll die Produktion dann abgeschlossen sein.
Danke für dieses Interview !